Vernetzungstreffen 2021

Das Treffen findet statt auf: BigBlueButton – um für kurzfristige Änderungen erreichbar zu sein, meldet euch an unter fclr[at]fzs.de

11.12.2020

  • 19-22 Uhr: Kurzfilme der Escuela de cine Amazónico „Raomis Ainbo“ von Gabriela Delgado Maldonado und “ Sentir Kapanawa“ von Jessy Calle & Adan Vargas ; Anschließende Diskussion über Kolonialität und Dekolonisierung des Wissens mit Frau Prof. Dr. Iman Attia der Alice Salomon Hochschule Berlin.

12.12.2020

  • 14-16 Uhr: Vortrag „Dekoloniale und Contra-Koloniale Perspektiven aus dem globalen Süden und Widerstandsstrategien“ in Kooperation mit Geppherg (Universität Brasilia, Brasilien); zu Gast sind Renísia Garcia, Mestre Bispo, Prof. Dr. Jaqueline de Jesus und Felipe Tuxá
  • 16-17 Uhr: How to fclr – Tips und Spickzettel für Veranstalter*innen mit Nadia Galina (BAS) und Andrés Muñoz

13.12.2020

  • 14 Uhr: Vortrag „Critical Whiteness“ mit Bilal Torun (Antidis fzs / DisCheck)
  • 15:30: „Event Marketing within the fclr“ mit Nadia Galina (BAS)
  • bis 17 Uhr: Musikkonzert mit Samar Ensemble

Aufruf 2021

Der freie zusammenschluss von student*innenschaften (fzs) und der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) rufen zum bundesweiten festival contre le racisme 2021 auf! Das fclr wird in diesem Jahr zum 18. Mal stattfinden und ist eine Kampagne gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, die seit 2003 einmal jährlich an den deutschen Hochschulen durchgeführt wird. Der fzs hat 2003 zum ersten Mal, ein dezentrales festival contre le racisme organisiert, welches aus vielen Veranstaltungen vor Ort bestand. Seit 2005 wird das fclr zusammen mit dem BAS veranstaltet.

English

Dekolonisiert die Hochschulen! Dekolonisiert euer Wissen und eure antirassistische Praxis!


2020 war ein sehr herausforderndes Jahr. Als die Pandemie begann, verbreitete sich die Angst schneller als das Virus. Plötzlich hatten viele Menschen das Bedürfnis zu horten und zu verteidigen, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen und für einander zu sorgen.Aber die Angst brachte auch Menschen zusammen und diese Situation gab vielen von uns die Chance, wieder zu schätzen, was für uns wirklich wichtig ist sowie notwendige Veränderung in unserer Gesellschaft einzufordern. Wie der indigene Klimaaktivist Aylton Krenak sagte: „COVID ist eine Lehre von Mutter Natur, die uns zum anhalten gezwungen und zum nachdenken gebracht hat.“


Es war ein schwieriges Jahr, aber es war auch ein Jahr sichtbaren Aufbegehrens von marginalisierten Gruppen in aller Welt.Viele von uns, die in zwei Realitäten leben, weil unsere Familien an andere Orten leben oder einem anderen Gesundheitssystem unterworfen sind, hatten die Möglichkeit, die Situation aus verschiedenen Perspektiven zu vergleichen.Für uns alle war es schwierig darauf zu verzichten, unsere Freunde zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Aber Online-Treffen haben uns auch mit Menschen aus der ganzen Welt zusammengebracht – Menschen mit denen wir uns nie vorgestellt hätten, in einem gemeinsamen Raum eine neue Sprache zu erlernen, mit ihnen Musik zu spielen oder über Politik und Wissenschaft zu diskutieren.Es ist eindeutig geworden, dass internationale Zusammenkünfte ohne Umweltverschmutzung möglich sind. Aber es wurde auch deutlich, wie Gemeinschaften aus dem globalen Süden stärker von der Pandemie betroffen sind als jene im globalen Norden. Technologischer Zugang ist nicht überall selbstverständlich und für viele Menschen stellt es eine neue Barriere dar.Die Pandemie hat uns auch gezeigt, dass unsere interdepententen Beziehungen global miteinander verflochten sind wie nie zuvor. Wenn wir möchten, dass sich die Dinge verändern, dann müssen wir über die Verbindungen nachdenken, die uns zusammenhalten und die Pluralität der Stimmen in Kampf für eine bessere Gesellschaft berücksichtigen.

Um ein Netzwerk der Solidarität ohne Grenzen aufzubauen, müssen wir die Vertikalität der globalen Machtverhältnisse berücksichtigen und verstehen, dass die hierarchischen sozialen Macht-Kategorien der Moderne wie Rasse, Geschlecht, Sexualität und Klasse uns auf unterschiedlichsten Weisen betreffen.
Wir sind der festen Überzeugung, dass die Dekolonisierung unseres Wissens, unserer Institutionen und unserer Lebenswelten eine dringende und notwendige Angelegenheit ist. Da jeder Bereich unseres Lebens von den Auswirkungen der Kolonialisierung betroffen ist, sollten wir nicht antirassistische Arbeit denken, ohne sie intersektional zu reflektieren.


Das Ziel von fclr 2021 ist es, eine Plattform für die Multipluralität von Stimmen aus der ganzen Welt und ein offenes Diskussionsforum über Privilegien und Solidarität zu bieten. Dies ist eine großartige Gelegenheit um alternative Weisen von Organisation, Wissen und Produktion kennenzulernen. Es ist auch eine große Chance, über unsere eigenen Privilegien nachzudenken und sie zu nutzen, um eine bessere und gleichberechtigtere Gesellschaft zu gestalten.Wir wollen über Kolonialismus und vererbte koloniale Strukturen offen diskutieren, sowie über die verschiedenen Auswirkungen auf unser Leben. Wir hoffen, dass dieses fclr kritische und ethische Ansätze bieten kann, die zu einem Paradigmenwechsel beitragen können.
Wir öffnen den Raum und wir laden dich ein, die Dekonstruktion zu beginnen!

Möchtest du mitmachen?

Das Festival findet vom 15. Juni bis zum 15. Juli statt. Alle können mit Veranstaltungen zum Festival beitragen! Wir sind offen für jedes Online-Format (die Entscheidung einer Präsenz Veranstaltung überlassen wir an euch, aber wir wollen keine Superspreader-Events fördern).
Ihr könnt Ihre Veranstaltung bis zum 15.05.2021 in dieses in unserem Formular eintragen:

fclr 2021 – Decolonize University! Decolonize your knowledge and your anti-racist praxis!

2020 was a very challenging year. As the pandemic started, fear spreaded even faster than the virus and suddenly, many people felt the need to hoard and defend, instead of supporting and caring.But fear brought also people together, and this situation gave many of us the chance to reevaluate what is really important to us and encourage a big change in our society. As the indigenous climate activist Aylton Krenak says, COVID is a lesson from the Mother Nature that made us stop and think. 

It was a difficult year but it was also a year of strong resistance from marginalized groups around the globe Many of us, living two realities, because our beloved ones live in an other geography, submited to a different healthcare system, got the chance to compare the situation from different perspectives.  For all of us has been difficult to renounce to see and spend time with our closest friends, but online meeting platforms have brought us together with people from all around the world, people we never imagined we could be sharing a space with and learn a language, or to play an instrument or discuss about politics or sciences. We were able to see that, international gatherings are possible without environmental pollution but also made clearer how communities from the global south are disproportional more affected by the pandemic than the ones in global north. It’s important to note that accessability is not something we should take it for granted and it is a real matter for many of us.The pandemic also forced us to see, that we are globaly intertwined as never before, and if we want things to change, we must reflect on the bonds that tie us together and consider the plurality of voices and struggles in the fight for a better society. 

In order to build a network of solidarity without borders, we must take the verticality of the global power relations into account and understand that the hierarchal categories of modernity such as race, gender, sexuality and class affect us in different ways. We, from fclr 2021, we think that decolonize our knowledge, institutions and ouserlves is an urgent and more than needed matter. Since every sphere of our lives are affected by the coloniality, we can’t think of anti-racist work without thinking it intersectionality.

The goal of fclr 2021 is to be a platform for the multiplurality of voices from all around the world and open discussions about privilege and real solidarity. This is a great opportunity to get to know alternative ways of organization, knowledge and production. It’s also a great chance to reflect on our own privileges and use them to shape a better and more equal society.We want to discuss about colonialism and the coloniality of our structures as well as the different effects that coloniality has on our lifes. We hope that this fclr can offer critical and ethical approaches that may help a shift of paradigms.We open the space, and we invite you to start the deconstruction! You want to coolaborate?  The festival will take place from the 15th June to the 15th July, send us the event you want to organize, we are open to any online format (presens events are up to you, but we don´t want to encourage superspreader events)

You can collaborate with: 

  • Webseminars
  • Workshops
  • Online concerts
  • Performance
  • (Impro-)Theater
  • Arts
  • Lesungen
  • Streetart (Installationen, Banner, Fußspuren)
  • Videos
  • Films
  • Digital Zines
  • Images
  • Infografiks
  • Memes, …

You can suscribe your event in this form until the 15.05.2021 or go straight to the link:https://helper.stura.tu-ilmenau.de/limesurvey/index.php/922241
If you have ideas and you don’t know how you can technicaly implement them, please contact us at: fclr@fzs.de or fclr@bas-ev.de and we can think of something together!

Aufruf 2020

Dieses Jahr mussten viele „ausländisch gelesene“ Menschen gegen eine weltweite Pandemie und „den normalen“ alltäglichen Rassismus kämpfen. Es zerreißt uns das Herz, dass es in diesen harten Zeiten, die so viel Solidarität und Zusammenhalt erfordern, immer noch Menschen gibt, die mit Hass reagieren. Rassistische Verhaltensweisen gehören leider auch während der Pandemie zum Alltag: im Bus, in den Geschäften, überall! Auch an den Universitäten!

Und wir, die BIPoCs, verinnerlichen und bagatellisieren täglich die Rassismuserfahrung, um den Anschein eines friedlichen Zusammenlebens aufrechtzuerhalten. Absurde Abhängigkeitsverhältnisse und sozialer Druck zwingen uns, unsere Gefühle gegenüber rassistischem Verhalten auch unter „Freunden“ zum Schweigen zu bringen. Es ist zu spät, und wir sind chronisch überfordert, wenn wir erkennen, dass wir täglich Rassismus erleben. Es macht uns wirklich wütend und hilflos, dass unser Umfeld der Situation oft gleichgültig gegenübersteht.

Und dann wird gefragt: „Wie konnte Halle passieren? Wie konnte Hanau passieren?“

Tja, Gleichgültigkeit hat uns dorthin geführt. Deshalb ist es unser aller Aufgabe, den Rassismus anzuprangern.

Rassistische Verhaltensweisen werden oft relativiert, indem man sagt, dass eine rassistische Denkweise aus der Angst vor dem Unbekannten resultiert. Dafür haben wir nicht mehr das geringste Verständnis, denn wir dürfen keine Rechtfertigungen für Rassismus dulden! Und wir werden den Rassismus furchtlos, energisch und lautstark bekämpfen!

Jedes Mal, wenn wir schweigen, werden wir Teil des Problems.

Also demaskieren wir Rassismus und lassen nicht zu, dass Rassist*innen unsere Gesellschaften übernehmen.

Während Rassismus im Alltag oft auf subtile Weise auftritt, erleben wir in der gegenwärtigen Coronakrise einen unverblümten Hass auf „asiatisch aussehende“ Menschen. Die kulturelle und ethnische Vielfalt eines riesigen Kontinents wird aufgrund eines gleichgültigen und verzerrten Missverständnisses von „Kultur“ unterdrückt oder sogar völlig ignoriert. Rassistische Straftaten äußern sich darin, dass man uns „Corona“ nennt oder uns anspuckt, weil wir mit Krankheitserregern auf eine Stufe gestellt werden.

Das verletzt uns nicht nur zutiefst, sondern lässt uns auch die Beständigkeit einer humanen Gesellschaft in Frage stellen.

Wir hoffen, dass diese harten Zeiten jedem die Chance geben, darüber nachzudenken, wie wir miteinander verbunden sind und wie sehr wir voneinander abhängig sind. Nach der Pandemie wollen wir nicht mehr die ungleiche Welt, die wir früher hatten. Unsere übergreifende Forderung ist eine strukturelle Veränderung der Institutionen, um zu überdenken, wie wir miteinander verbunden sind, und um uns bewusst zu machen, dass wir in diesen globalisierten Zeiten auch globale Solidarität brauchen. Als ausländische Studierende und Studierende mit Migrationshintergrund in Deutschland tragen wir die Forderung auch an unsere Hochschulen und Bildungsministerien.

Oftmals wird geglaubt, dass Hochschulen ein fruchtbarer Boden für Multikulturalität seien und dass sie sich durch kulturellen Austausch und Wissensweitergabe auszeichnen würden. Nichtsdestotrotz sind soziale Ungleichheit, Elitismus und rassistische Stereotype in der universitären Meritokratie ständig präsent. Leider wird Rassismus auch in den „Tempeln des Wissens“ reproduziert.

Die akademischen und sozialen Strukturen hängen nicht nur von täglichen Handlungsweisen ab, sie bilden vielmehr die Grundlage der Praxis und der Erfahrung. Mit anderen Worten: Rassismus ist nicht nur ein Phänomen außerhalb der Hochschulen, sondern wird auch innerhalb der Hochschulen rekonstruiert und institutionalisiert.

Wir, die Studierenden, fürchten uns vor einem Wiederaufleben von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und vielen anderen Formen der Diskriminierung. Aus diesem Grund finden wir in der Demokratie und im sozialen Engagement die einzige Möglichkeit, Intoleranz zu bekämpfen. Und wir sagen, es ist genug!

Unsere Forderungen

  • Wir fordern, dass die Hochschulen sichere Räume sind, um offen über Rassismus zu sprechen.
  • Wir plädieren für Hochschulen, die nicht als elitäre Filter des Staates dienen.
  • Wir fordern die Anerkennung der Stärke der Vielfalt und der Bedeutung der Solidarität.
  • Wir bitten um die Unterstützung unserer Hochschulen dabei, die Gesellschaft zum Nachdenken über Rassismus anzuregen.
  • Wir wollen Hochschulen als Katalysatoren von sozialen Veränderungen, für Gleichheit und Demokratie. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.
  • Wir wollen Solidarität statt Angst!
  • Wir fordern Bildungseinrichtungen, die uns aktiv helfen, in Deutschland wie auch weltweit, gegen ungleiche und rassistische Strukturen zu kämpfen!